Aladdin

Abends zur Aladdin-Filmvorführung und zum anschließenden Konzert von Adam Green – für sagenhafte dreizehn Dollar fünfzig, also unter zehn Euro. Als Alexandra und ich um kurz nach halb neun in der Horseshoe Tavern ankommen, läuft die Filmvorführung bereits seit zwanzig Minuten. Der Film ist trashig, albern und charmant. Nach der Vorführung verschwindet die Mehrzahl der Zuschauer, zurück bleiben vielleicht hundert Leute, die zuerst eine gute Vorband und danach ein Wahnsinnskonzert von Adam Green erleben. Seine Band ist super und sieht vollkommen irre aus, besonders der Keyboarder mit dem Mega-Afro am Zintendo-Synthesizer. Adam Green hat eine grandiose Stimme und viele wunderschöne Lieder im Repertoire. Emily, Jessica, Buddy Bradley. Dance with me und Leaky Flask. Er ist ein echtes Energiebündel, tanzt und hüpft die ganze Zeit herum, springt mehrmals von der Bühne ins Publikum und lässt sich auf Händen tragen. Besonders beeindruckend bin ich davon, wie natürlich er sich auch abseits der Bühne gibt. Nach der Filmvorführung baute er selber den Projektor und die Leinwand ab und erfüllt bei dem langen Konzert zahlreiche Musikwünsche aus dem Publikum, dabei spielt er allein zur Gitarre auch den Klassiker Steak for Chicken von The Moldy Peaches und der gesamte Saal singt mit. Hinterher stellt er sich an den Merchandising-Stand und signiert geduldig Platten, T-Shirts und Aladdin-DVDs, die man für fünf Dollar bei ihm kaufen kann. Diese Geduld und der Verzicht auf jegliches Star- und Extrawurstsein fiel mir auch schon bei Amanda Palmer und Miranda July auf. Aus Deutschland kenne ich das nur von der Freiwilligen Selbstkontrolle um Michaela Melián und Thomas Meinecke.

Donnerstag, 8. September 2016, Toronto