Schriftsteller wird Brauer

Verblüfft war ich, als ein Mann letzte Woche nach der grandiosen KWI-Lesung zu mir trat und in der Hand den Artikel »Schriftsteller wird Brauer« aus der #WAZ von 1999 hielt, zu dem er einige dringliche Fragen hatte. #fakenews99 #showdonttell

#büchervonfreunden

Buchmesse-Mitbringsel Teil 2 #fbm18 #frankfurterbuchmesse2018 #freunde #büchervonfreunden ▪️Marc Degens "Unsere Popmoderne" @selfiesohneselbst @verbrecherverlag @faz Dieses 2010 erschienene Buch wollte ich schon ganz lange haben und der Autor brachte es mir sogar an den Stand 😍 Die gesammelten Klappentexte und Leseproben zu fiktiven #neuerscheinungen , welche zwei Jahre lang in der FAZ erschienen und zu Verwirrung auch im Buchhandel sorgten, sind Satire, Parodie, Täuschung und Betriebsspiegelung in einem. #factorfiction #fakeit ▪️Michal Hvorecky "Troll" #tropenverlag Ich rannte zufällig am #frankfurterhauptbahnhof in den bekannten slowakischen Autor, weil wir in die gleiche S-Bahn stiegen (er musste zum Flughafen), und er schenkte mir sein letztes Frei-Exemplar seines neuen Romans: linke und rechte Extremisten marschieren, aufgepeitscht von Trollen, auf, in einer nahen Zukunft. Und Netflix hat wohl schon Interesse! #slowakischeliteratur #osteuropabücher #trolle Michal gilt als der erfolgreichste Autor der Slowakei und ist ein großartiger Mensch, voller Energie, Witz und Engagement, nicht nur für Bücher, als Leiter der Bücherei des @goetheinstitut Bratislava, wir kennen uns schon sehr lange! ▪️Christiane Frohmann "Präraffaelitische Girls erklären das Internet" @fraufrohmann #memes Dieses Buch hatte ich schon VOR der #fbm18 – aber da die Girls beim #bookfest nicht nur das Internet, auch die Literatur in neuesten Wort-Bild-Kombis erläuterten und ihr alle dieses Buch haben solltet, weil es gut ist, klug und medienweise, ist es hier aufgestapelt. Kauft #indiebooks von tollen Verlegerinnen-Autorinnen-Kolleginnen! ▪️Becca Parkinson / Gvantsa Jobava (Hg.) "The Book of Tbilisi" @commapress Im unabhängigen Verlag Comma Press in Manchester erscheinen regelmäßig Städte- Anthologien mit Short Stories von in den Städten wohnenden Autor*innen. Bisher etwa zu Tokio, Sao Paulo, Gaza, Dhakar und jetzt auch Tbilisi! @georgian_characters #georgien #georgischeliteratur (Und wenn alles wie geplant klappt, geben wir die Berlin-Anthologie mit heraus 😊) #buchmessemitbringsel #bücherstapel #bookstagram #bücherüberbücher

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Thanksgiving

I quit my job just to quit.
I didn't quit my job to write fiction.
I just didn't want to work anymore.
DON DELILLO

In der Nacht schlecht geschlafen und oft wachgeworden. Um halb acht Wecker. Kaffee und lesen im Bett, danach kurze Gymnastik, Knieübungen und Obstfrühstück. Anschließend an Sadie gearbeitet und Notizen wegsortiert. Es macht Spaß, sich auf die Themen einzulassen, Filme und Dokumentationen zu schauen, Bücher und Comics zu lesen – jeden Fitzel, der greifbar ist. Das Problem ist nur, dass man nicht alles verwenden kann, weil der Roman sonst platzt. Das ist ein typischer Anfängerfehler. Als Vierundzwanzigjähriger habe ich ihn begangen und alles, was ich wusste, konnte, geschrieben und gelesen hatte, in meinen Erstling gequetscht. David Foster Wallace bezeichnet Debütromane deshalb zurecht als »big shits«.

Um zwölf Uhr Mittagessen und bis halb zwei Computerkram. Joachim Feldmann schickt mir eine E-Mail und lädt mich ein, einen Beitrag für die fünfundsiebzigste Am-Erker-Ausgabe zu verfassen. Das Thema lautet »Silhouetten und Profile«, der Redaktionsschluss ist Mitte April nächstes Jahr.

Mittagsschlaf, danach Kaffee und Schreibtisch. Mit Tee und drei kleinen Bieren weiter an Sadie geschrieben. Ich erinnere mich daran, wie Wolfgang Herrndorf und ich in seiner Küche zusammensaßen und uns darüber unterhielten, was der richtige Bierpegel zum Korrigieren und Textfeilen sei und wir beide ganz begeistert waren, als wir auf denselben Wert kamen.

Lachsbagel und ein Apfel, danach Reisevorbereitungen, E-Mails und Abgleiten in die Blogarbeit. Mit Guillaume Morissette verabrede ich ein Treffen nächste Woche in Montreal. Gedanken an die Am-Erker-Anfrage und Idee für einen Text über das Glück. Als Kind verbrachte ich die Ferien oft bei meinen Großeltern, die in Katernberg wohnten, inmitten einer alten Zechensiedlung. Sie wohnten über einer Kneipe, die vor langer Zeit ein beliebtes Ausflugslokal gewesen war, mit einem großen Teich hinterm Haus, auf dem man Bötchen fahren konnte. In dem Teich gab es auch eine Insel mit einem Haus, es war ein doppelstöckiger Holzbau mit einer Treppe zur Veranda und einem Giebeldach. In meiner Kindheit war der Teich aber schon ausgetrocknet und das Haus verfallen. Die Fensterscheiben waren eingeschlagen, die Stufen morsch und im Fußboden und an der Decke fehlten Bretter.

Entlang der Straße, in der mittlerweile meine Romanfiguren Marthe, Sina, Scott und Bo zusammen im Bolsterbaumhaus wohnen, standen kleine, rote, oft baufällige Zechenhäuschen, in denen ausschließlich türkische Familien lebten. Ich mochte die Gegend und das Umherwandern, allein oder mit meinem Großvater, es hatte schon damals etwas Anachronistisches und aus der Zeit Gefallenes. Inzwischen sind alle Zechenhäuser abgerissen worden und durch neue, dicht an dicht stehende und nur durch Hausnummern unterscheidbare Reihenhäuser ersetzt worden. Wahrscheinlich wissen die Leute, die heute in den Häusern wohnen, gar nicht, wie es früher hier aussah, und ich möchte ihnen zurufen: Hey, ihr lebt auf einem Friedhof!

Um kurz vor sieben Feierabend und im Pullover Spaziergang durch die Nachbarschaft. Es ist ein wunderbar lauer Abend. Ich fotografiere das Haus mit dem lila angestrahlten Motorrad auf dem Balkon und den Lichtgirlanden um den Baum und veröffentliche das Bild als Erinnerung für mich auf Instagram. Dass andere das Foto auch sehen können, ist allerdings ein schöner Nebeneffekt. Genauso verhält es sich mit dem Schreiben.

Montag, 9. Oktober 2017, Toronto

Alle Eriwan-Buchtrailer

Buchtrailer (Raumpatrouille-Mix), 47“:

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Die Freude ist immer noch groß, 55“:

Die Freude ist immer noch groß #armenischeaufzeichnungen #hotlist2018 #hotlist18

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Feentanz (Etschmiadsin), 51“:

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Immer noch HOT, 53“:

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Buchtrailer (A Moment Apart), 44“:

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Noch 3 Tage feiern und abstimmen, 57“:

Noch 3 Tage feiern und abstimmen für die #Hotlist2018 (Link in Bio). #armenischeaufzeichnungen

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Joachim Lottmann (* 1956-1959)

DEUTSCHE EINHEIT (1999)
DIE JUGEND VON HEUTE (2004)
ZOMBIE NATION (2006)

AUF DER BORDERLINE NACHTS UM HALB EINS (2007)
DER GELDKOMPLEX (2009)
HUNDERT TAGE ALKOHOL (2011)
HAPPY END (2015)

Trudeau Triumphs

Dienstag, 20. Oktober 2015, Toronto

Um fünf Uhr fünfundvierzig wachgeworden und aufgestanden. The Globe and Mail titelt »TRUDEAU TRIUMPHS«. Das Foto zeigt Justin Trudeau nach der Verkündung des Wahlergebnisses auf der Parteiversammlung von seiner pelzbemantelten Mutter umarmt und geküsst wird – im Hintergrund ein riesiges rotes Ahornblatt auf weißem Grund. Disco Chic trifft auf sozialistischen Realismus.

Um fünf Uhr Ortszeit, elf Uhr in Deutschland, ist die SUKULTUR-Pressemitteilung auf satt.org, Minimore und dem Hotlistblog veröffentlicht worden. Alexandra fragt mich, ob ich traurig bin, weil ich jetzt nach neunzehn Jahren die Herausgeberschaft der beiden Leseheftreihen abgebe, doch ich spüre in erster Linie Freude und auch ein bisschen Erleichterung. Beim Kaffee suche ich Adressen der Autoren und Illustratoren zusammen und verschicke um sieben Uhr zweiunddreißig meine Dank-Mail. Danach Schreibtisch, Social-Media-Kram und E-Mails. Ich bekomme einige Antworten, Glückwünsche und Fragen zur Manuskripteinsendung. Auf Minimore stelle ich neue Titel ein. Hinterher Spaziergang, Mittagessen und Mini-Einkauf bei No Frills. Im Antiquariat erstehe ich eine hübsche kleine Klassikerausgabe von Robinson Crusoe. Lesen und Schlaf, um vierzehn Uhr fünfundvierzig Fußball, Arsenal gegen Bayer, zwei zu null. Ich habe ein traumhaftes Leben, trotzdem fühle ich mich heute ein bisschen matt. Baseball und dabei die Korrekturen von Jan Drees aufbereitet und weggeschickt. Die Blue Jays gehen im vierten von maximal sieben Spielen mit vierzehn zu zwei gegen die Royals aus Kansas unter.

Um zwanzig Uhr dreißig fahre ich zum Peaches Konzert. Ich steige an der Sherbourne Station aus, schlendere über das Gelände einer koreanischen Kirche, dann laufe ich durch eine Hochhausgegend und komme mir vor wie im Märkischen Viertel. Der Konzertort, das Phoenix Concert Theatre, erinnert mich wiederum an den Festsaal Kreuzberg, er ist allerdings deutlich größer. An der Bar bestelle ein Bier und nehme es mit in den Saal. Die Vorband spielt schon. Deep Valley, zwei Frauen. Gesang, Schlagzeug, Gitarre, Rock’n’Roll. Schön laut und cool und trashig. Der ideale Soundtrack für das Shoxs oder Cherry Cola’s.

In der Umbaupause hole ich mir noch ein Bier und stelle mich mit Ohrstöpseln in die Mitte vor die Bühne. Mein Platz ist ideal, der Vorhang geschlossen. Um kurz vor zehn betritt die Mutter von Peaches in einem rotweißgestreiften Pullover die Bühne und liest eine Erklärung ihrer Tochter vor. Alle jubeln und freuen sich, weil der junge, schöne Justin Trudeau, die Hoffnung Kanadas, am Vortag die Wahl gewonnen hat. In beiden Händen hält Peaches’ Mutter eine Maple-Leafs-Nationalflagge und schwenkt sie wild, dann stimmt sie die kanadische Nationalhymne an und der ganze Saal fängt an zu singen. O Canada! Es ist ein absolut surrealer Moment und ich versuche mir vorzustellen, wie Rammstein am Tag nach der Bundestagswahl in der Waldbühne auftritt, der Vater von Till Lindemann eine Erklärung seines Sohnes vorliest, sich alle über den Wahlsieg der SPD freuen und zusammen Einigkeit und Recht und Freiheit anstimmen.

Langsam öffnet sich der Vorhang. Wie eine Außerirdische steht Peaches breitbeinig in der Mitte der Bühne. Der Beat dröhnt und hämmert und die Show beginnt. Rub. Rub. Rub. Bitch rub. Das Konzert ist eine wilde Fetischparty mit abgedrehter Musik und zwei hingebungsvollen Bühnentänzern. Vaginakostüme, blinkende Gebisse, Gruppensexchoreographien, Lovertits. Ich habe Peaches schon einmal vor vielen Jahren in Berlin gesehen, doch dieser Auftritt ist viel geiler. Plötzlich schwebt ein riesiges begehbares Kondom über unseren Köpfen und Peaches steht singend direkt über mir. Dick! Dick! Dick! Dick in the air! Alle tanzen. Ich bin auf dem besten Konzert seit The Knife und freue mich und bin auch ein bisschen erleichtert, denn die letzten Konzerte, die ich besucht hatte, hatten mir überhaupt nicht gefallen und ich wusste nicht, woran es lag, an mir und meinem Alter oder den Bands.

Peaches stellt sich an den Bühnenrand, öffnet zwei Champagnerflaschen, schüttelt sie und spritzt wie ein Formel-1-Rennfahrer ins Publikum. Die Bühne wird gestürmt und ist voll mit Tanzenden. Fuck the pain away. Peaches gibt mehrere Zugaben und singt in einem grünen Glitzeroberteil mit riesigen nackten Plastikbrüsten. Glücklich laufe ich hinterher zur Metrostation und kaufe mir in einem asiatischen Kiosk einen Mister Big-Schokoriegel. Mit der U-Bahn fahre ich heim und bin um kurz vor Mitternacht zuhause. Thank you so much, Toronto!

#peaches #thankyoutoronto

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