Schublade

»Reinhard Jirgl, Büchnerpreisträger des Jahres 2010, hat beschlossen, sich gänzlich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen. […] Er wolle dorthin zurückkehren, wo er vor Jahrzehnten begonnen habe: zum reinen ›Selbstgespräch‹. Ein Schreiben nur noch für die Schublade. […] Ganz unbedingt ist Schreiben für einen wie Reinhard Jirgl ein Amt. Ein Auftrag, der nicht erlischt, nur weil das Geschriebene auf einmal nicht mehr gedruckt wird. […] Dass es neben den überaus funktionstüchtigen Buchproduzenten auch das Schreiben als Lebensform gibt, soll hier nicht vergessen werden.« (Paul Jandl, NZZ)

Mobilität

»Natürlich ist die Lebensform eines Autors nicht entscheidend für die Art seines Werkes (es gibt ja genügend Gegenbeispiele der Seßhaftigkeit, etwa Doctorow), und doch kann man fragen, ob nicht die reale Mobilität eine geistige miterzeugt: Die Fähigkeit, sich in Fremdes hineinzuversetzen (weil es eine für die Selbsterhaltung notwendige Tugend ist oder werden kann), fremde Stimmen nachzuahmen und ihnen Sprache zu verleihen, schließlich, sich schreibend eine heimatliche Topographie zu verschaffen, deren man realiter verlustig gegangen ist.« (Michael Chabon, zitiert nach Ulrich Greiner, Gelobtes Land)

Verhindern

»Ich habe keinen Zwang, etwas zu schreiben. Im Gegenteil, wenn ich etwas schreiben muss, denke ich mir: wieso habe ich das nicht verhindern können?« (Hans Wollschläger)

Herder

»Als 1912 Bernhard Suphan ohne Dank und Anerkennung vom Großherzog die Verabschiedung in den Ruhestand erhielt, stapelte er in seinem Weimarer Arbeitszimmer die bis dahin erschienenen 32 Bände der ersten [von ihm herausgegebenen] kritischen Gesamtausgabe Johann Gottfried Herders vor dem Fenster, stieg hinauf und sprang durch das geöffnete Fenster in den Tod.« (Siegfried Hartmut Sunnus, Herder Lesebuch)

Einfachheit

»Ich glaube, jeder halbwegs reife Künstler strebt der Einfachheit zu. Alles, was ist, so einfach auszudrücken wie möglich, bleibt das Schwierigste.« (Helmut Krausser, Deutschlandreisen)

Absaugen

»In der Bundesrepublik gibt es einen bedeutenden Arbeitsmarkt für Schriftsteller, der sie von der literaturproduzierenden Ebene absaugt und sie bei ökonomischer Absicherung auf der literaturvermittelnden etabliert.« (Robert Menasse, Überbau und Underground)

Urteilsfreude

»›Literat‹ war eines der schärfsten Urteile, die Max Weber über Personen fällen konnte, die sich urteilsfreudig in öffentliche Angelegenheiten mischten, ohne sich im Einzelnen über die Gegenstände ihrer Urteile sachkundig gemacht zu haben.« (Jürgen Kaube, Max Weber)

Rezensionen

»Ich glaube, viele Talente haben nach dem ersten Buch nichts mehr zustande gebracht, weil sie durch die Vielzahl der Rezensentenmeinungen verunsichert wurden. […] Ich kann inzwischen zu jedem Roman, ja zu jeder veröffentlichten Erzählung, mindestens zwei Rezensionen vorweisen, die davon entweder als von einem Geniestreich oder einem Scheißdreck sprechen. Ist dieser Punkt erreicht, relativiert sich alles so weit, daß es wirkungslos bleibt.« (Helmut Krausser, Juni)

Scherbeln

»›Kommen Sie, Frau Karola‹, flüsterte die Freo, ›wir drehen uns im Nebenzimmer das Grammophon an und scherbeln ein bisschen. Die Unterhaltung wird mir hier zu seriös.‹« (Franz Hessel, Heimliches Berlin)