Ehrlichkeit

»Die ›Ehrlichkeit im Gebrauch von Worten‹ – dahinter verbirgt sich Yates‘ komplette ästhetische Anschauung, sein Bestreben, nach der passenden, unprätentiösen Form und, im Sinne Flauberts, nach dem passenden, unprätentiösen Wort zu suchen. Das gibt seinem Stil eine unverwechselbare, sich nicht in auftrumpfenden Metaphern gefallende Note und bezeugt die ›honesty‹ des Schriftstellers Yates.« (Rainer Moritz, Der fatale Glaube an das Glück)

Kunstkommunikation

»Daß Kunst anderen als Kunst auffallen muß, ist die conditio sine qua non der Kunstkommunikation […]. Eine Arbeit, die nur der Urheber selber kennt, über die er schweigt, auf die er nicht anspielt, wäre für den Soziologen keine Kunst, denn sie setzt keine Kommunikation in Gang.« (Niels Werber)

Fremder

»Was ich immer erzählen muss, immer sagen muss: dass ich keine Heimat habe, dass ich ein Fremder bin, und das meine ich nicht pathetisch, sondern als gute Sache. Weil ein Schriftsteller, nach meinem Geschmack, muss ein Fremder sein.« (George Tabori)

Türen

»›Wenn du eine Geschichte schreibst, dann erzählst du sie dir selber‹, erklärte er. ›Wenn du sie überarbeitest, musst du hauptsächlich alles herausstreichen, was nicht zur Geschichte gehört.‹ Gould sagte noch etwas Interessantes, als ich die ersten beiden Artikel bei ihm abgab: ›Schreibe bei geschlossener Tür, überarbeite bei offener Tür.‹« (Stephen King, Das Leben und das Schreiben)

Wechseln

»– Warum bist du von Rowohlt weg?
– Du mußt wie beim Profifußball den Verein wechseln, weil du sonst bei dem Verlag, wo du angefangen hast, immer als Debütant behandelt wirst.«
(Hubert Fichte, Die zweite Schuld, im Gespräch mit Hermann Peter Piwitt)

Wälzer

»Trotz alledem ist meine Belesenheit gering, zumal wenn ich sie mit der von Schriftstellerkollegen vergleiche […]. Allerdings muß ich immer über die Wälzer lachen, mit denen sie in der Regel ankommen (was für ein Gewuchte! aber sie sind stark!) – Wälzer, deren Umfang in keiner Relation zu den durchsichtigen, hauchdünnen Büchern stehen, die sie selbst produzieren. Und dann fallen Worte wie ›Einfluß‹.« (A.F.Th. van der Heijden, Engelsdreck)

Gehenlassen

»Am liebsten würde ich ja, wenn ich nicht schreiben müsste, dauernd herumfahren und überhaupt nichts tun. Das wäre meine einzige Vorliebe. Mich gehenlassen, dazu aber ist die Welt nicht gut genug.« (Thomas Bernhard, Brief an Siegfried Unseld)

Partizip Präsens

»Als ein Teilnehmer Herta Müllers Atemschaukel erwähnt, erzählt Goetz, zwar habe er das Buch nicht gelesen, aber während der Vorbereitung zu seiner Werkstatt habe er sich von Mitarbeitern des Szondi-Instituts erzählen lassen, wie es in Herta Müllers Werkstatt zuging, als sie 2005 Heiner-Müller-Gastprofessorin war. Dabei erfuhr er, dass Herta Müller das Partizip Präsens zutiefst verabscheut. ›Das fand ich einen guten Hinweis. Deswegen habe ich in meinem neuen Buch noch einige Präsenspartizipien entfernt.‹« (Jan Kedves, ›Auch aus dieser Welt einen Flash‹)

Erzählen

»Man muß einfach Geschichten erfinden, Dinge erzählen, die sich in Tatsachen ausdrücken lassen, heute dies, morgen jenes, sich damit Zeit lassen. Ganz ähnlich wie wenn man einen Unterhaltungsroman schriebe. Dann das andere hineinarbeiten.« (Robert Musil, Aus den Tagebüchern)

Wunderschön

»Was meinen Sie mit ›zu literarisch‹? Was streichen Sie, bestimmte Arten von Wörtern?
Adjektive, Adverbien und überhaupt jedes Wort, das nur dasteht, um Eindruck zu machen. Jeden Satz, der nur um seiner selbst willen dasteht. Wenn Ihnen ein Satz wunderschön vorkommt – lassen Sie ihn weg!« (Georges Simenon im Gespräch mit Carvel Collins)

Mühelos

»Umgekehrt ist der ungeübte Leser daran zu erkennen, daß er es nicht zu würdigen weiß, wenn ein Text mühelos zu lesen ist, sondern sich enttäuscht fühlt, wenn er die Arbeit des Schreibers nicht erkennen kann. […] Darum liebt der ungeübte Leser Thomas Mann so sehr, denn bei dem sieht man immer, daß es viel Arbeit ist, einen Roman zu schreiben. Noch dazu so einen dicken!« (Iris Hanika, Schöne Sätze, guter Stil)

Stahlbad

»All diese Qualitäten aber machten ihn [David Foster Wallace] zu einem Fremdling in einer literarischen Landschaft, die ihr Leitmedium, den Roman, so weit an die Fernsehserien, den Film, die Klatschkolumnen, den Lifestyle, kurz: das fun-Stahlbad angenähert hat, dass es nicht übertrieben ist, diese Gattung, wie Heinz Schlaffer 2002 in einem vieldiskutierten Aufsatz, als ›das letzte Stadium der Literatur‹ zu bezeichnen. Die zeitgenössischen Romane haben, wie Schlaffer schrieb, ›das Publikum daran gewöhnt, ebenso gut auch ohne Dichtung auszukommen‹. Die meisten (ein gutes Beispiel ist der neue Tom Wolfe) sind geschriebene Filme oder TV-Serien.« (Stephan Wackwitz, In der Wüste der Mikrostruktur)

Pornographie

»Girodias gründete als nächstes The Olympia Press, die sich der Herstellung knallharter wie auch gemäßigter Pornographie widmete. […] Schriftsteller aller Art, gute und schlechte, wurden zur Arbeit herangeholt, um Bücher nach Maß zu produzieren. Er dachte sich zum Beispiel einen Titel aus (etwa ›Mit offenem Mund‹) und machte damit Reklame; fand er genügend Widerhall, beauftragte er irgend jemanden, ein Buch zu schreiben, das zu dem Titel paßte.« (Gore Vidal, Über Pornographie)

Lernende

»Ich glaube, daß Künstler, die ihren Höhepunkt noch vor sich haben, die Welt immer als Lernende erleben, wie groß und anerkannt groß sie auch sind.« (Helmut Krausser, Januar)

Sinnversessenheit

»Einen Germanisten sollten am Ende ja nicht allein Kenntnisse und ein paar Fertigkeiten auszeichnen, sondern ein bestimmter Habitus, eine Mischung aus Neugier, Pedanterie, Hingabe ans Unbedeutende, Leidenschaft für Form und skeptischer, historisch informierter Sinnversessenheit.« (Jens Bisky, Die Sehnsucht nach Orchideen)