Selfies ohne Selbst (III)

Römerlager, Bonn

Die Hitzewelle. Ein Schreibtisch im siebten Stock mit Blick auf den Rhein und die vorbeischwimmenden Kähne. Ich hatte den Schreibtisch umgedreht und zurückgeschoben, weil ich nicht eingezwängt zwischen dem Tisch und der Wand sitzen wollte. Nun schaute ich genau auf die schwarzen Schrammen an der Wand, die der Stuhlrücken dort hinterlassen hatte.

Selfies ohne Selbst (II)

Aygedsor, Eriwan

Der schönste Schreibplatz der Welt mit Blick auf den Ararat. Die Armenier waren immer ganz enttäuscht, wenn sie mich fragten, ob ich ein Buch über Armenien schriebe. Nein, antwortete ich, über Bochum und das Ruhrgebiet. Es war der Punkt in meinem Leben, wo ich dachte, ich schreibe jetzt genau das, was ich schreiben will; egal, ob es jemand anders lesen will oder wird.

Selfies ohne Selbst (I)

Villa Decius, Krakau

Mein erstes Aufenthaltsstipendium. Ich war zwei Monate im Sommer und einen Monat im Winter in der Villa und habe an »Hier keine Kunst« geschrieben. In meinem Zimmer und im Park las ich »Georg Letham«. »Wer liest denn heute noch Ernst Weiß«, fragte Stephan Wackwitz damals erstaunt.