Unsere Popmoderne

Marc Degens: Unsere Popmoderne (Verbrecher Verlag 2010)
Verbrecher Verlag 2010. Broschur, 144 Seiten.

»Diese Romananfänge und -auszüge machen unruhig, man will mehr, will den ganzen Wälzer lesen, von schwitzenden Urlaubern, von 26-jährigen Bestsellerautorinnen und einem schwulen Sherlock Holmes.« (Konrad Heidkamp, Die Zeit)

»Degens hat den Literaturbetrieb so maßstabsgetreu wie ein Modelleisenbahner nachgebaut.« (Heike Runge, Jungle World)

»Der eigentlich schwindelerregende Witz dabei ist die fast komplette Ununterscheidbarkeit zwischen Original und Parodie, zwischen Authentizität und Karikatur. Seine Capriccios zeigen Marc Degens als Nicht-Übertreibungskünstler.« (Ijoma Mangold, Süddeutsche Zeitung)

»Auch aus biografischen Angaben zu den fiktiven Autoren macht Degens kleine Dramen im Buchklappen-Stil.« (Nadine Lange, Tagesspiegel)

»›Unsere Popmoderne‹ ist ein Meta-Buch voll strotzender Fantasie und distinguiertem Mad-Heft-Charme.« (intro)

»Spannend, schlau und unterhaltsam zugleich.« (Christiane Rösinger, die tageszeitung)

»Hochkomisch.« (Falter)

»Crazy!« (Françoise Cactus, Frankfurter Rundschau)

»Man zieht den Hut vor seinem stilmimetischen Talent, er hat die diversen Tonfälle einfach drauf.« (Frank Schäfer, Rolling Stone)

»›Unsere Popmoderne‹ ersetzt einige Regaldezimeter neuester deutscher Literatur.« (Am Erker)

»Das Buch ist gut!« (Thomas Kapielski)

»Dass einen kurze Auszüge aus nicht existierenden Büchern so fesseln und unterhalten können, ist verwunderlich, aber angesichts dieser fantastischen Schlitzohrigkeit und literarischen Versiertheit einfach Fakt.« (Alexandra Distler, zitty)

»Es sind regelrechte Pastiches (Achtung: Proust!), die dem Genre und der jeweiligen Nische des Betriebs, die sie ins Visier nehmen, ›mimetisch sich anverwandeln‹ (Adorno!).« (Jochen Schimmang, die tageszeitung)

»Alles in diesem Blatt ist erstunken und erlogen. Was jetzt aber nicht heißt, dass die Geschichten nicht hinreißend wären.« (zuckerkick)

»Degens’ Mimesis ist so nah an den wirklichen Werken der Popliteratur, dass sie, wie vom guten alten Aristoteles in seiner Poetik erwünscht, zur Katharsis durch Jammern und Schaudern führt.« (Jule D. Körber, literaturkritik.de)

»Neben derartigen Grotesken bietet Degens auch eine überbordende Fülle an schönen Ideen. Einige Stoffe nähren durchaus den Wunsch, das Buch ließe sich vollständig lesen. Viel mehr können Erfindungen wirklich nicht verlangen.« (Frankfurter Allgemeine Zeitung)

»Ein echter Genuss!« (backsmedia)

»Darf in keiner Bibliothek des Imaginären fehlen.« (Stefan Zweifel, Du)

Unsere Popmoderne

Einmaleins der Literatur

§ 10 Die Theorie
Nicht die Literaturtheorie ist wichtig, das Wichtige ist die Literatur. Literaturwissenschaftler sind Literaturleser, Literaturtheorie ist Literaturauslegung.

§ 9 Der Leser
Nicht der Literaturleser ist wichtig, das Wichtige ist die Literatur. Literaturleser sind Literaturkonsumenten. Literaturleser können sich in Literatur nicht wiederfinden; die Literatur findet sie.

§ 8 Der Händler
Nicht der Buchhändler ist wichtig, das Wichtige ist die Literatur. Was nicht ausliegt, wird auch nicht verkauft.

§ 7 Der Kritiker
Nicht der Literaturkritiker ist wichtig, das Wichtige ist die Literatur. Kein Literaturkritiker kann einen Bucherfolg verhindern. Der Literaturkritiker ist auf die Literatur angewiesen. Literaturkritiker können Literatur nicht entdecken; die Literatur entdeckt sie.
Zusatz: Es ist nicht tragisch, wenn Scheiße hochgejubelt wird. Es ist tragisch, wenn gute Sachen untergehen!

§ 6 Das Buch
Nicht das Buch ist wichtig, das Wichtige ist die Literatur. Es gab Literatur vor dem Buchdruck, es wird sie auch nach dem Buchdruck geben.

§ 5 Der Verlag
Nicht der Verlag ist wichtig, das Wichtige ist die Literatur. Verlegen kommt nicht von vorlegen. Bücher werden nicht von Verlegern gemacht, Bücher werden von Verlegern bezahlt.

§ 4 Der Lektor
Nicht der Lektor ist wichtig, das Wichtige ist die Literatur. Der Lektor ist kein Literaturmacher, der Lektor ist ein Literaturleser. Nicht die Literatur hat dem Lektor zu dienen, der Lektor hat der Literatur zu dienen.

§ 3 Der Agent
Nicht der Literaturagent ist wichtig, das Wichtige ist die Literatur. Es gibt keine schlechten Manuskripte, es gibt nur schlechte Agenten.

§ 2 Der Schriftsteller
Nicht der Schriftsteller ist wichtig, das Wichtige ist die Literatur. Der Schriftsteller lernt nie aus, ein Text ist nie fertig. Der Schriftsteller muß nicht reden, der Schriftsteller muß schreiben können. Schriftsteller sind nicht der Moral und der Ethik verpflichtet, Schriftsteller sind der Literatur verpflichtet.
Zusatz: Auch Rotgeld hilft.

§ 1 Die Literatur
Das Wichtige ist die Literatur. Jeder Text ist ein Experiment. Literatur macht nicht klüger, Literatur macht nicht besser. Es gibt keine realistische Literatur, Literatur ist Kunst. Kunst kann nicht falsch sein.

Josfried Alberding (Passau), Christoph Frenzel (Berlin), Matthias Heiermann (Berlin), Marc-Albrecht Jakiel (Nürnberg), Bodo Krahl (Berlin), Jörg Lepenies (Berlin), Arnd Lindner (Passau), Ralf Penker (Berlin), Maik Potthast (Halle), Oliver Rafelt (Berlin), Holger Schinschetzki (Berlin), Ingo Schmenk (Berlin), Hannah Stalherm (Passau), Thomas Wogersie (Hildesheim)

Dreizehn Männer und eine Frau verfassten gemeinsam an einem Wochenende auf Schloß Offenberg in Niederbayern die zehn Paragraphen des »Einmaleins der Literatur«. Darin bringen die Autoren ihre grundsätzlichen Ansichten zur Literatur zum Ausdruck. Das Manifest wurde später in mehreren deutschsprachigen Literaturzeitschriften veröffentlicht. »Es sind die kleinsten gemeinsamen Nenner«, erklärte Hannah Stahlherm kürzlich in einem Radiointerview. »Es handelt sich eigentlich um Banalitäten und Allgemeinplätze. Doch wenn man sich den Literaturzirkus näher anschaut, hat man den Eindruck, daß sie völlig unbekannt sind.«